Symbolfoto: Straße mit historischen Gebäuden in Belgrad mit serbischer FlaggeFoto: Viktoriia Kondratiuk / Pexels

Gut eine Woche vor der Parlamentswahl am 25. Oktober geht der Wahlkampf in Serbien in die Schlussphase. Das Land ist tief gespalten: Auf der einen Seite steht die Regierungspartei SNS mit Aleksandar Vučić, auf der anderen die Studentenliste aus der Protestbewegung.

Vučić ist als Staatspräsident zurückgetreten, um als Spitzenkandidat der Serbischen Fortschrittspartei (SNS) für das Amt des Ministerpräsidenten anzutreten. Das Ziel ist klar: Er will an der Macht bleiben, nun eben aus einer anderen Position heraus.

Die Studentenliste als Herausforderer

Sein wichtigster Gegner ist die sogenannte Studentenliste. Sie ist aus der monatelangen Protestbewegung hervorgegangen, die nach dem Einsturz des Vordachs am Bahnhof von Novi Sad entstand. Bei dem Unglück im November 2024 kamen 16 Menschen ums Leben. Aus der Trauer und Wut wurde eine breite Bewegung, die Aufklärung und einen politischen Wandel forderte und nun bei der Wahl antritt.

Der Wahlkampf ist entsprechend hochpolarisiert. Die SNS setzt auf große Kundgebungen, zuletzt auch in Novi Sad, dem Ort, der für die Protestbewegung symbolisch eine zentrale Rolle spielt. Die Gegenseite wirft der Regierung vor, den Urnengang zu beeinflussen und die Medien zu kontrollieren.

Vorwürfe, Spannungen und die Rolle des Auslands

Der Streit reicht inzwischen über die Landesgrenzen hinaus. Unter anderem wurde in diesem Zusammenhang eine Protestnote an Kroatien übermittelt, was die Vorwürfe der Wahlbeeinflussung zusätzlich in die internationale Debatte trägt. Wie stark solche Einflussversuche tatsächlich sind, ist Teil der politischen Auseinandersetzung und wird von den Lagern unterschiedlich dargestellt.

Internationale Beobachter blicken mit Sorge auf die Lage. Sie warnen vor einer angespannten Atmosphäre in den letzten Tagen vor der Abstimmung. Möglich ist ein knappes Ergebnis, auf das neue Proteste folgen könnten. Dann würde sich entscheiden, ob die Auseinandersetzung am Wahltag in geordneten Bahnen endet oder auf der Straße weitergeführt wird.

Wie knapp das Rennen ausgehen könnte, ist offen. Beide Lager versuchen in den letzten Tagen, unentschlossene Wählerinnen und Wähler zu erreichen und die eigene Anhängerschaft zu mobilisieren. Die Stimmung im Land bleibt aufgeladen, und die Erinnerung an die Proteste der vergangenen Monate prägt die Debatte bis in die Familien hinein.

Was auf dem Spiel steht

Für Serbien geht es bei dieser Wahl um mehr als um eine Regierungsbildung. Es geht um die Frage, ob das bestehende Machtgefüge um Vučić weiter Bestand hat oder ob die Bewegung, die aus der Tragödie von Novi Sad entstanden ist, einen politischen Umbruch herbeiführen kann. Die kommenden Tage dürften zeigen, wie weit beide Seiten ihre Anhänger mobilisieren können.

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