Symbolfoto: Flagge der Europäischen Union vor dem Triumphbogen im Brüsseler Cinquantenaire-ParkFoto: Petrit Nikolli / Pexels

Montenegro gilt als aussichtsreichster Kandidat für die nächste EU-Erweiterung. Doch ausgerechnet Nachbar Kroatien stellt Bedingungen, die den Weg nach Brüssel verlangsamen könnten. Im Kern geht es um die Aufarbeitung der Kriegsvergangenheit.

Montenegro will der Europäischen Union bis 2028 beitreten und ist auf diesem Weg weiter als alle anderen Bewerber auf dem Westbalkan: Viele Verhandlungskapitel sind bereits geschlossen. Dennoch ist der Zeitplan nicht gesichert.

Acht Bedingungen aus Zagreb

Kroatien hat acht Bedingungen vorgelegt, die vor allem die Verhandlungskapitel 23 und 31 betreffen, also Rechtsstaat und Grundrechte sowie Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Zu den Forderungen zählen eine Entschädigung und eine Gedenkstätte für das Lager Morinj, die Klärung des Schicksals von Vermissten, die Verfolgung von Kriegsverbrechen, offene Eigentumsfragen und der Grenzverlauf.

Zugleich sorgte Zagreb dafür, dass konkrete Fristen zum Jahresende aus den Schlussfolgerungen des EU-Gipfels gestrichen wurden. Damit fehlt Montenegro ein verbindlicher Zeitanker, an dem sich der Fortschritt messen ließe. Deutschland und andere Mitgliedstaaten drängen Kroatien deshalb, eine Lösung zu finden und den Prozess nicht zu blockieren.

Für Montenegro ist die Situation heikel. Das Land hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt und sieht sich als Vorreiter der Erweiterungsrunde. Dass ein EU-Mitglied nun Bedingungen formuliert, die über die üblichen Reformvorgaben hinausgehen und historische Konflikte berühren, stellt Montenegro vor eine zusätzliche Hürde. Die Debatte zeigt, dass der Beitrittsprozess nicht nur technisch, sondern auch politisch entschieden wird, und dass jedes Mitgliedsland ein Mitspracherecht hat.

Die Region im Blick

Der Streit zwischen Zagreb und Podgorica ist nicht die einzige Baustelle. Die regionale Debatte über Beitritt, Rechtsstaat und bilaterale Altlasten wird derzeit auch von den Nachwirkungen der Wahlen in Bosnien und Herzegowina am 4. Oktober geprägt. Dort schnitten nationalistische Parteien und das Lager um Milorad Dodik stark ab, die Wahlbeteiligung war niedrig. Hinzu kommen Versuche, die Lage im Kosovo zu stabilisieren.

Alle diese Entwicklungen zeigen, wie eng die EU-Perspektive der Region mit ungelösten Fragen aus der Vergangenheit verknüpft ist. Für Montenegro bedeutet das: Der Beitritt hängt nicht nur von der eigenen Reformarbeit ab, sondern auch vom Einvernehmen mit den Nachbarn. Ob Kroatien und Montenegro eine gemeinsame Linie finden, dürfte darüber mitentscheiden, wie glaubwürdig das Versprechen einer Erweiterung bleibt.

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